Mittwoch, 9. September 2015

Aus

Ich sitze am Rechner, recherchiere eine Text.
Rose kommt herein und stellt sich neben mich.

Ich halte inne, wende meinen Kopf.
Sie beugt sich vor. Sie kann ruhig lesen. Zu verbergen hab ich nichts.

Obwohl...
sonst fragt sie erst was ich mache.
Sie will nicht lesen wenn ich über uns schreibe.
Sie will erst lesen wenn ich es öffentlich gemacht habe.
Warum also jetzt?
Warum ohne Frage?

Ein Griff zur Maus, eine Bewegung zum X KLICK - der Browser wird geschlossen.
'Zu lange Online' rast es mir durch den Kopf.
'Hätte ich... Sollte ich...?' eigentlich ja nichts.
Wie hatten trainiert, ich hatte geduscht. Und während sie sich im Bad frisch gemacht hatte brachte ich das Jüngste der Kids zu seiner Tante.
KLICK - unten Links.
KLICK - auf mein Login. Das Pull-Down rollt runter.
Die Maus steht auf Sperren, geht eins weiter nach unten.
KLICK - Abmelden.

und Rose schaut mich an.
Ihr Blick ist ernst.
Ich habe nichts verbrochen.
Nichts ist offen, alleine das ...
Die Kids sind weg - WIR sind allein.

"In zwei Minuten servierst du deiner Lady einen Aperol Spritz im Schlafzimmer."
Mit diesen Worten dreht sie sich um und geht.
"Entschuldigt Lady" fordere ich ihre Aufmerksamkeit ein.
Sie fährt herum - "WAS" fragt sie scharf, doch nicht laut.
"Der Aperol ist leer."
"Ja, das hatte ich vermutet" dreht sie sich um. "Dann einen Sekt" sagt sie im Gehen.
" Ja Lady. In zwei Minuten."
Sekt - gestern hatten wir Besuch.
Eigentlich sollte... ein prüfender Blick.
Im Kühlschrank steht nur ein Secco.
Aber daneben ein Chardonnay.
Und auch noch Sirup. Aus Holunderblüten.
Dazu noch Eis. Das soll es sein.

Nach einer Minute stand ich mit dem Getränk vor der Schlafzimmertür.
Als ich sie öffnete empfing mich meine Lady.
Eher die Herrin, in Slip und Korsett.

Auf meinem Nachtisch lag die Gerte.
Darauf der Harness mit Knebel und Dildo für meinen Kopf.
Und oben auf konnte ich noch mein Halsband erkennen,
"Danke" nahm Rose das Glas, einen Schluck
und strich sanft mit der Hand an meinem Kiefer entlang.

"Zieh dich aus."


Vom Rosenzüchtling

Falscher Typ



"Hallo" meldet sich eine freundliche Stimme am Telefon, "sie hatten einen Kredit bei uns laufen und ich hätte jetzt noch ein paar letzte Fragen."
Wie der Abschluss war und das Verhalten der Bank.
Für was wir das Geld wollten und ob es die Anschaffung noch gibt.
Und zuletzt, ob ich zufrieden genug bin und wechseln möchte.
"... Hin zu uns. Dazu kann ich sie gleich noch fragen. Welcher Typ sind sie? Der lieber in die Filiale geht oder mehr Online die Finanzen tätigt?"
"Typ Drei" antworte ich sofort. "Der all sein Geld seiner Frau überlässt. Sie kümmert sich darum."
"Das ist aber toll."

Faul trifft es besser.
Ich brauche mich um nichts zu kümmern, bringe das Geld nach Hause und das war's.
Sie, meine Rose hält es zusammen.
Sie gibt es aus. Für uns, für das Leben, unser Haus. Für die Kids, deren Kleidung, Hobbies und Reisen.
Und bleibt dann nicht übrig quält sie die Frage wo ist es hin.

Faul
Die Finanzen an die Lady abzugeben.
Nicht nur das Geld.
Planen, hadern, verwalten.
Mit den Kids zu verzweifeln wenn sie saugen.
... mehr und mehr brauchen.

Ich bin Typ Drei.
Der die Kontrolle abgibt um sich nicht zu belasten.
Ich bringe es heim.
Sie aber fragt sich wo all das Geld bleibt.


Vom Rosenzüchtling