Montag, 19. Oktober 2015

Erreicht

Es ist Sonntag Morgen.
Die Frühstückszeit ist um, Rose ist im Bad und ich
liege im Bett, decke mich zu und versuche meine Gedanken zu sortieren.

Wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet?
Achtzehn Jahre? Vierundzwanzig? Nein, sicher nicht von Anfang an. Aber ab dem Zeitpunkt als wir merkten das geht nicht mit den Kids Zuhause.

Vor allem die letzten Jahre waren schwierig. Nicht immer konnten wir wie wir wollten. Wir mussten planen oder schnell reagieren wenn die Kids mal auswärts schliefen.
Das scheint vorbei.
Nur Einer von Drei ist noch daheim.
Zwei sind weg.
Das macht es leichter.

Den Moment hatte ich also erreicht.
Ab jetzt wird gemacht was wir immer schon wollten.

Ich liege im Bett.
Was ist erreicht?
Auf was hatte ich gewartet?
Das Haus ist leer. Es fehlt etwas.
Krach und Lärm. Und keine da, an dem ich mich störe.
Machen was wir wollen.
So sehr wie jetzt fühlte ich mich noch nie beschränkt.
Gerade jetzt -am frühen Morgen- genieße ich alleine im Bett zu liegen.
Was bringt der Tag? Was werden wir machen?
Erst einmal das Bett abziehen.

Ich vergraben mich in Arbeit. Mache die Wäsche und backe, bügle und mit dem Hund noch Gassi laufen.
Irgendwann ist es spät, der Tag ist rum. Und im Grunde habe ich nichts getan.
Nichts für mich und nichts für Rose. Einfach nur so den Tag verbrachte.

Am Abend ein Film?
"Was willst du schauen" frage ich das Letzte meiner Kids.
Wir richten uns nach ihm damit er bei uns bleibt und sich nicht gleich wieder in sein Zimmer verkriecht.
So läuft dann einen Film der mich nicht interessiert, ich aber als einziger von uns verfolge. Der Rest sitzt da, spielt mit den Smartphone.
Rose darf das. Den Film mag sie nicht.

Und ich sitze vor der Glotze, meinem Kid zuliebe.
Das neben mir sitzt und sich am Smartphone vergnügt.

Nein und Nein.
Das ist nicht der Moment auf den ich gewartet habe.
Nie habe ich mir es so vorgestellt.

Die Kinder sind weg, das Haus ist leer.
Kurz gesagt, sie fehlen mir.


Vom Rosenzüchtling

Freitag, 16. Oktober 2015

Angestochen

Heute ist Termin.
Ein zweites Stechen? Nicht geplant.
Das Nachstechen ist dran.

Es ist schön geworden was ich trage. Nur ein paar dünne Ranken sind fast unterbrochen, dann doch zu dünn.
"Kein Problem" meint die Stylistin. Ich bin gespannt.

Es kribbelt bereits.
Ich bin Angestochen.
Ich bin darauf heiß.

Um ehrlich zu sein, dass hatte ich geahnt.
Einmal begonnen entsteht eine Sehnsucht es nochmals zu erleben. Das Selbe zu fühlen an anderer Stelle ein neues Motiv.
Jedoch gibt es nichts das ich mir wünsche.
Ich trage die Rose, dazu meine Lettern.
Von meiner Seite ist es perfekt.

Dennoch...
Es ging auch darum herauszufinden ob ich es ertrage.
Und ob ich es vertrage.
Auf Beides gibt es die selbe Antwort.
Nämlich JA.

Was kommt als nächstes zur Befriedigung des neuen Verlangens?
Mit was sonst noch wird mein Körper geschmückt?
Von Rose kam früher immer das selbe Bedenken,
was, wenn dein Körper es nicht verträgt.

Geht es weiter?
Angestochen was ich nun bin freue ich mich auf heute Abend.
Ein bisschen Farbe, ein wenig Stechen.
Dabei das Brummen, dazu der Schmerz.
Vertrautes Gefühl.


Vom Rosenzüchtling