Donnerstag, 25. Juli 2013

Rang Zwei

Ein schönes Datum für einen Geburtstag, aber auch für andere Dinge.

Roses Chef lädt ein zum Abteilungsgespräch.
"Du hast ja Geburtstag und kannt dazu Kuchen mitbringen."
"Ja bin ich denn jeck..." meint sie am Vortag zu mir. "Der verbreitet dabei so eine miese Stimmung und ich soll sie ihm mit deinem Kuchen versüßen?
Ich feiere dort nicht."
Somit war das auf der Arbeit durch.

"Schau mal Tante, wir haben noch zusätzlich ein paar Flaschen Sekt mitgebracht" sagte Tigers Ex, nachdem er gratuliert hatte.
"Oh wie schön."
Ihr Sarkasmus füllte den Raum.
Eine halbe Stunde später war die Verwandtschaft angehalten sich im Freien zu sammeln.
Happy-Birthday-Gesang?
Mit Nichten. Jetzt stand der Neffe im Mittelpunkt.
"Wir werden heiraten. Genau nächstes Jahr."

"Dann brauche ich auch da nicht zu feiern" raunte mir Rose hinterher zu.
Das Auch machte es aus.
Ihr Geburtstag steht heute auf Rang Nummer Zwei.


Gerade gönne ich mir eine kleine Pause. Beschwingt kommt die Lady vorbei und hakt sich ein. "Rosetattoo" von den Dropkick Murphys läuft gerade. Wir drehen uns zusammen im Kreis.

"Vor der Hochzeit mache ich noch einen Tanzkurs. Machst du mit?"
"Ja" antworte ich. Obwohl ich es kann.
"Dich frage ich erst gar nicht. Ich meinte den Neffen.
"Ja" meinte der. "Zumindest den Walzer. Wir sind bereits zu Siebt."
Alle aus der Verwandtschaft. Keiner will sich die Blöße geben nicht tanzen zu können.

Eine halbe Stunde später läuft "The Waltz" von Leonard Cohen.
"Wer tanzt mit mir" fragt Rose in den Raum.
Schnell bin ich bei ihr, nehme sie in den Arm und wiege mich in ihrem Takt.
"Ach, Walzer...." seufzt die Lady und wiegt sich hin und her.

Nun lege ich meinen Arm um sie, strecke den anderen Arm aus und wechsele in den Pendelschritt. Sofort stimmt Rose ein. Soeben hat sie den Grundschritt im Walzer gelernt ohne dass es jemand erklärt hat.

Mein rechter Arm zieh, meine linke Hand drückt. Instinktiv setzt Rose die Füße korrekt. Drei Takte, eine Umdrehungen. Für den Anfang sehr gut.
"So einfach geht das" fragt meine Lady.
"Ja."

Ihr Mund legt sich eng an mein Ohr.
"Ich bin bereits nass. Aber jetzt laufe ich aus."

Bei mir kommt sie an Nummer Eins.


Vom Rosenzüchtling


Nur mich

Es waren viele Gäste in unserem Haus. Der halbe Ort schien zum Gratulieren gekommen zu sein. Der Garten war voll, das Essen reichte gerade so.
Ich versah, unterstützt von den Kids meinen Dienst.
Die Lady sollte sich um die Gäste kümmern. Verbal, sonst um nichts.

Dazu gehörte auch, die telefonischen Glückwünsche entgegenzunehmen, wie den von Rolf.
Allein wie sie ihn begrüßt, scherzt und sich ihre Miene erhellt zeigt mir, mit wem sie spricht. Ein Name fällt nicht.
"Der? Ist auch da. Der spült." Es geht um mich.
"Ich danke dir. Dafür knuddel ich dich."

Interessant, was man sich denkt, wenn man nur die Hälfte des Gespräches verfolgt.

"Aber sich. Wenn es nicht zu warm ist."...
"Mal sehen."...
"Ja gut."...
Samstag, Stuttgart. Der CSD.
"Aber da knuddel ich dich."...
"Doch."...
"Aber mehr nicht."...
"Nein, mehr nicht."...
"Abgemacht. Bis Samstag."...
"Ich danke dir. Tschüß"

Lachend kam Rose zu mir.
"Das war Rolf."
"Oh, wie schön."
"Wir gehen am Samstag auf den CSD."
"Da freue ich mich."
"Ja, das kannst du. Ich habe gesagt, für seinen Anruf knuddele ich ihn."
"Das hab ich gehört."
"Aber er lässt mich nicht."
"Warum?"
"Er lässt mich nur, wenn er dich knuddeln darf."
"Kann er doch, oder?"
"Ja. Aber dass er mich damit erpresst."

Sie weiß, das ich Rolf gefalle. Besser gefallen habe. Oder gefall? Die Mischung macht es aus. Der Hausmann von jetzt (den subbi kennt er nicht) und den Körper von vor ein paar Jahren.
Besser genährt, nicht so hager wie jetzt.

"Bei mir hast du es besser als bei deiner Frau."
"Warum?"
"Du bekommst wieder richtig zu essen."
Nicht wegen seinem Andreaskreuz.


Vom Rosenzüchtling