Mittwoch, 30. April 2014

Belohnung

"Also heute brauche ich eine Massage."
Rose reibt sich dabei das Genick.
"Gerne Lady" aber später.
Im Moment habe ich noch so viele vor wir und dazu brauche ich Zeit. Morgen ist der Letzte im April. Der Tag vor dem ersten Mai. Der Tag, an dem der Wiener Geburtstag hat.
"Willst du feiern" hatte ihn Rose gefragt.
"Hho" brach er Euphorie hinaus.
"Dann musst du die Gäste einladen."
Es geht um seine Verwandtschaft.
"Was wollen wir zu essen machen?"
"Grillen?" "Soll regnen" "Weiß nich..."
'Think Big' ist bei so etwas seine Devise. Da muss es schon etwas Ausgefallenens sein. Ob er es dann zubereitet ist fraglich. Sein Geburtstag. Das reicht für ihn. Hat er doch elterliches Personal.
"Was hältst du davon?"
Rose zeigt ihm ein Rezept. Für 20 Personen.
"Sollen wir das machen?"
"Jo. Is OK."
Gut, somit ist klar: Volles Programm für Rose und mich. Das braucht alles Vorbereitung. Wir schaffen das.

Während Rose am Dienstag Mittag bereits das Fleisch vorbereitet macht sie nebenher noch den Teig. Wir brauchen Achtzig Brötchen, die doppelte Portion. Die werden gedämpft. Im Dämpfeinsatz. Fünf Stück bekomme ich auf einmal hinein, zwölf Minuten brauchen sie dann. Das bedeutet, ich habe sechzehn Mal das Teil zu füllen und dann sechzehn Mal zwölf Minuten zu warten. Anders gesagt, bei fünf Durchgängen je Stunde wird es spät.
Es ist weit nach Sechs als der erste Durchlauf dämpft. Dann lange warten, routiniert die nächsten Fünf vorbereiten, herausnehmen, einsetzen und weitere zehn Minuten warten.
Um die Zeit zu nutzen bereite ich Vesper für morgen, backe 'nen Kuchen und räume ein wenig die Küche auf.
Es ist nach Acht als die Hälfte der Brötchen fertig ist.
'Wenn das keine Belohnung...' denke ich bei mir als Rose fragt:
"Soll ich dich ablösen?"
"Nein", warum sie?
Ich habe genau so viel mit dem Geburtstag zu tun wie sie. Eigentlich sollte unser klein Wien etwas Interesse daran zeigen, tut's aber nicht. Ich mache es nicht wegen ihm. Sondern meiner Rose zuliebe. Dem Gutmensch in ihr. Mit keinem Streit. Mit jedem Recht. Kostet oft Kraft.
Ich helfe.
Bald Elf.

Die Küche glänzt. Alles aufgeräumt. Völlig geschafft setzte ich mich neben meine Lady. Auf ein Mal läuft es mir kalt den Rücken hinab. Und heiß. Es kribbelt in mir. Roses Hand streicht sanft über meine Schulter. Sie löst das aus. Die Berührung ist der Grund für das wohlige Gefühl.
Belohnung? Das noch nicht.
Tut zwar gut. Doch ich will mehr.
Deutlich mehr.

Rose verlässt kurz den Raum.
Die Zeit nutze ich, das Schlafzimmer vorzubereiten.
Es ist warm. Deckbett weg, Badetuch drauf. Kerzen an.
Bevor die Lady mich vermisst bin ich zurück.
"Wir gehen dann ins Bett" sagt sie gleich drauf.
"Ja Lady" antworte ich, voller Vorfreude auf meine Belohnung.
Belohnung! Belohnung! Nein, in meinem Denken hat nichts anderes mehr Platz.
Belohnung! Dafür habe ich mich heute abgemüht.

"Ich finde es Klasse, dass ihr noch wartet" freut sich unser Großer.
'Warten? Spinnt der? Überhaupt, worauf?'
"Gerne" antwortet Rose mit kurzem Blick auf die Uhr, "ist ja gleich so weit."
"Was?" Mein Kopf fährt herum.
Warten? Worauf? Was ist bald? Neun bis Zwölf. 'Bis er Geburtstag hat!'
Und dann? Ein Sekt? Mag keinen mehr. Vor allem hat er mich heute um meine Belohnung gebracht. 'Musst warten, bis zum nächsten Tag.'
"Gratuliere mein Sohn. Gute Nacht.
"Auch von mir" drücke ich ihn, "ich muss jetzt ins Bett."
"Ich weiß. Du musst morgens früh raus."
Deswegen muss ich nicht. Ich gehe weil die Lady es macht.
Und die sagt direkt vor der Tür:
"Es ist wieder so spät mein Liebster. Ich weiß du bist müde. Ich habe es dir zwar...."
Wie so oft schiebt sie das auf die lange Bank. Deshalb bin ich froh über die Fakten, die sie nun entdeckt.
"Willst du wirklich noch" fragt sie beim Anblick der Tücher im Kerzenschein.
Anstatt zu antworten helfe ich ihr aus den Kleidern.
"Na gut. Aber nur kurz."

So ist es, wenn subbi auf seinem Recht beharrt. Einfordern was gewünscht und ausgemacht war.
"Ich dachte du bist zu müde."
Doch das was sie sagt geht im Stöhnen unter, als die Hand mit reichlich Öl nach unten reibt. Was folgt ist ein Kneten und Walzen. Ein Reiben und streicheln. Ein kräftiges Massieren.

ER ist so hart, so fest. Ich spüre wie ER tropft, wie Sehnsucht von SEINEM Köpfchen rinnt, meinen Schenkel trifft, so Fäden spinnt.
Ein Griff, ein Stöhnen - genau die Art Belohnung, die ich erhofft, mir erwunschen habe.
Jede Berührung quält, jedes Reiben, jedes nach oben gleiten löst neues Zucken aus.

"Reicht das aus?"
Die Frage ist weich. Direkt ins Ohr geflüstert. Ich würde noch gerne. Mach sie weiter mit?
"Nein, weiter. Direkt unterm Kopf."
Und kaum liegt die Hand dort und packt sie fest zu da stöhnt es erneut und ER zuckt sofort.
Ein Schauer durchströmt meinen Körper. Ich zittere los. Mir ist, als ob Rose grinst. Sie hat mein Erbeben gespürt.

Die Hand streicht hinab. Die Finger liegen einzeln an. Nur die Kuppen berühren die Haut, streifen weiter, wechseln auf die Schenkel, kreisen innen entlang. Dann geht es hoch, wieder ganz hinauf. Bis zum Kopf.
Ein wahnsinniges Gefühl.

Bei mir fühlt es sich an als ob ER gleich platzt. Was Rose so spürt? Sie stöhnt, als die Hand unten am Kopf anliegt, hier streicheln massiert, dann knetet was geht. Kräftig stemmen sich zwei Hände gegen den Druck an. Alles fest. Alles Hart. Und rollt durch die Hand.

"Das reicht" murmelt Rose.
Sie richtet sich auf. Ihre Hand greift nach IHM, nimmt einen Faden auf.
"Silbern" lacht sie.
"Ja danke Herrin."
Ihr Finger streift vom Schenkel zum Schaft, umfasst ihr Stück. Dann drückt sie zu. Das erste Mal die heutige Nacht. In meinem Kopf leuchtet ein Feuerwerk auf.
"Danke mein Zögling für die schöne Massage. Genau die habe ich gebraucht.
Ich denke zu wenig an die Massagen. Wie gut sie für mich sind und wie gut erst für dich."
Erneut schließt sie ihren Griff. Ich stöhne aus.
"Ich verstehe, dass ich dich viel härter ran nehmen muss. Das werde ich auch tun. Verlass dich darauf.
Es tut dir gut.
Ich sehe das."
Dabei nimmt sie erneut einen Faden auf. Silbern glänzenden spinnt Rose ihn um SEINEN Kopf.

Silberfäden.
Lange habe ich nicht mehr so etwas schönes gesehen.
Ja, wer Gutes macht, wird auch belohnt.


Vom Rosenzüchtling

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