Sonntag, 30. März 2014

Rollbraten

Eine Göttin für Tiger.
Nachdem ihre Auswanderung in ein fernes Land leider durch die Trennung ihres Partners endete bevor der Flieger gelandet war führt Tiger nun noch eine Fernbeziehung.
Mit diesem Land. Mit der Kultur und der Sprache, die sie erlernt aber nicht nutzen kann.
"Was fehlt dir" fragte Rose Tiger, was sie sich zum Geburtstag wünscht.
"Göttinnen kann man nie genug haben."
So recht dies aus ihrer Sicht sein mag. Für mich gilt das nicht. Eine Göttin der ich diene. Keine anderen Göttinnen neben ihr. Ladies ja, aber nur eine die über allen steht.

So eine Göttin wie Tiger sie wünscht gibt es hier genug. Diese Mal bekommt sie eine gestutzte Version, die man direkt an eine Wand stellt oder noch besser daran hängt. Aber es fehlt noch was. Der Kick.
Rose kann es nicht mehr lassen immer kleine Anspielungen zu machen. Sie packt ein.
Für die Reise wird die Statue schützend in Schaumstofffolie gewickelt und dann verschnürt.
Nach allen Regeln der Kunst legt sie die Schnur um dir Göttin herum, knotet hier und da, fädelt die Schnur neu ein, zieht fest und als sie mir das Ergebnis zeigt werde ich neidisch.
Ein Diamant neben dem anderen ziert das Paket.
Gut, die Schnur ist für mich zu dünn aber man sieht:
Meine Lady kann's

Als Rose am Samstag Tiger das Geschenk übergibt steht ihre Lydia, eine Freundin dabei. Wir beobachten beide und es ist Tiger, die als Erstes reagiert:
"Oh, ein Rollbraten. Dankeschön."
Gut, sie ist hier unbedarft. Das Bild scheint ihr nichts zu sagen. Uns wird mal wieder bewusst, es ist nicht die Welt in der sie lebt, die sie verfolgt. Die sie mag.
Schmutz? Glaub ich nicht. Aber einfach zu weit weg. Es betrifft sie nicht.
Dagegen ist die Reaktion ihrer Freunden interessanter.
Lydia sagt nichts. Kein Zucken, kein Staunen, kein Grinsen. Ich wundere mich.
Sie lächelt nicht einmal als Tiger vom Rollbraten spricht.
Ungewohnt!

Spät am Abend im Restaurant reden wir davon, wie jemand reagiert, wenn er sich nicht verraten will.
"Nicht jeder möchte sich outen mit seinem Kink."
Lydia: "Man stellt sich dumm. Lässt sich nichts anmerken. Mischt sich nicht ein."
Sie hat recht. Kopf runter und in der Masse versteckt. So wie sie?
Lydia liest. Viel! Einschlägiges. Nicht Grauschattiert. Deutlicher.
Ein paar Mal sind die Ladies alleine. Und - wie mir Rose erzählt - sind die Themen dabei krass. Die Mädels kennen sich aus. Bis auf Tiger. Die will nichts davon hören. Nicht ihre Welt.

Was hat Lydia sich beim Anblick des Geschenkes gedacht?
Rollbraten?
Ganz sicher nicht.


Vom Rosenzüchtling

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