Freitag, 4. Oktober 2013

Einheitstag

Rose renoviert.
Als ich nach Hause komme ist das Wohnzimmer in die Raummitte gedrückt, der Wandschmuck abgehängt, alles mit Folie bedeckt und Malerflies ausgelegt.
Rose streicht.

"Das ist doch Beige. So ein Mist. Gefällt dir die Farbe?"
"Ja. Dir nicht?"
Eigentlich Leinen. Die Farbe ist zu hell. Aber etwas irritiert: die Wand war dunkler und ist nun hell überstrichen. Und nun wirkt die Farbe viel heller dadurch?
"Nee. Beige will ich nicht."
Doch tapfer streicht Rose den Rest.

Donnerstag, Tag der Einheit. Bereits am Morgen hat das nicht gepasst. Zusammen kommen verstand ich nicht. So kam erst mal jeder für sich.
"Sieht gut aus, die Wand."
"Ja gefällt mir."
Die Farbe ist trocken, von Beige keine Spur. Im natürlichen Licht zeigt sich ein leichter Fliederton in dem milden Braun.
"Leinen. Mir gefällt's."

"Soll ich das Grün auch Grau machen?"
Ambiente. Dafür habe ich meine Rose. Was ihr gefällt mochte ich bisher auch. Mir fehlt kein eigener Geschmack.
Dennoch, mein Stichwort ist gefallen. Rückfall in alte Zeit.
"Was?"
(Lady entschuldige bitte. Wir haben im Wohnzimmer kein Grün. Welche Stelle meinst du? Und vor allem, welche graue Farbe willst du darauf auftragen?
[i]Übersetzung Mann Vs. Frau[/i])

Einheitstag.
Sollte ich nicht versuchen eine gemeinsame Sprache zu wählen, die vor allem die Lady nicht verärgert.
Unser Esszimmer ist grün und teilt sich Ecken und Wände mit dem Wohnzimmer. Hier die Farben anzugleichen wirkt sicher gut. Und ich kommentiere das mit dem "Was?"

Inzwischen ist die Küche abdekoriert, abgedeckt und abgeklebt. Rose streicht auch hier. Schmollend ziehe ich mich zurück. Bügeln wollte ich heut. Doch da denke ich inzwischen nicht mal mehr dran.
Ich bin hier hilflos im Weg.

Das Telefon klingelt, Roses Schwester.
"Willst du Zwetschgen? Und nochmal Mirabellen?"
Besser ist das. So bin ich Rose nicht mehr im Blick.
Mein Leben läuft konträr.
Während die Einen feiern wie nah man sich ist gerate ich mit der Lady in Streit.
Während sie renoviert, abklebt und streicht koche ich Marmelade ein.
Rose rückt Möbel, ich entsteinen Obst.
Und als Rose geschafft von der Arbeit aufs Sofa fällt streicht der Duft meines Kuchens durchs Haus.

Spät Abends im Bett versuchte ich nicht einmal die Nähe meiner Lady zu suchen. Sie ist sauer. Wenigstens das bemerke ich. Ich lag ihr gegenüber, berührte ihre Hand.
Das war alles an Vereinigung.

Es wird Zeit wieder auf alte Gleise zu kommen.
Der Weg vom letzten Jahr.
Nicht der Rückbesinn in ein altes Jahrzehnt.
Als ein Kommen selbstverständlich für mich war.


Vom Rosenzüchtling


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